HOME | IMPRESSUM | ENGLISH

  Fachartikel | Neue Produkte | Markt- und Messeberichte | News | Nanotechnologie | Fachteil NEUE WERKSTOFFE |  
 
MARKT- UND MESSEBERICHTE


--- Messeberichte ---

Fraunhofer ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2009:
400 W Femtosekundenlaser für die ultrapräzise Materialbearbeitung


Femtosekundenlaser (fs-Laser) sind der Schlüssel zur Ultrapräzi-sionsbearbeitung in unterschiedlichen
Anwendungsfeldern. Ob in der Medizintechnik, der Elektronik, der Luft- und Raumfahrt oder in der
Solartechnik mit fs-Laser lassen sich hochpräzise dünne Schichten abtragen, faserverstärkte Kunststoffe
bohren oder Oberflächen von Keramik-Bauteilen strukturieren.


Als Hürde für die Verbreitung der fs-Laser erweisen sich die Kosten, die durch die komplexen optischen Module
erzeugt werden, und die zurzeit bei kommerziellen Systemen auf unter 100 W begrenzte mittlere Leistung. Mit
der Entwicklung eines 400 W fs-Lasers auf Basis der InnoSlab-Technologie leitet das Fraunhofer-Institut für
Lasertechnik ILT einen Paradigmenwechsel in der Herstellung kommerzieller fs-Laser ein. Auf der LASER
World of Photonics 2009 (15. - 18. Juni 2009, München) wird erstmals das derzeit leistungsstärkste Ultrakurz-
pulslaser-Modul ausgestellt. Mit einer mittleren Leistung von über 400 Watt hält es den Weltrekord hinsichtlich
mittlerer Leistung eines Lasers mit Pulsdauern kleiner einer Pikosekunde.

Femtosekunden(fs)-Laser, also Laser mit Pulsdauern kleiner als eine Pikosekunde, haben seit den Anfängen vor
35 Jahren in der Wissenschaft eine stürmische Entwicklung erlebt. Die Wechselwirkung von fs-Laserstrahlung mit
Materie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Pulsdauer kleiner als die meisten Wechselwirkungszeiten zwischen
Atomen beziehungsweise Atomen und Elektronen ist. So treten bei der Materialbearbeitung Wärmeleitung, Schmel-
zen, Verdampfung oder Plasmabildung praktisch erst nach der Einwirkung der Laserstrahlung auf. Im Gegensatz zu
längeren Nanosekunden-Pulsen oder Dauerstrich-(cw) Lasern tritt keine direkte Wechselwirkung von Licht und ab-
strömender Materie auf, was einen besonders präzisen Materialabtrag ermöglicht. Mit fs-Laser sind Bearbeitungs-
ergebnisse erzielbar, die durch kein anderes Verfahren erreicht werden.

Eine wesentliche Limitierung für den breiten Einsatz heutiger fs-Laser ist ihre mittlere Ausgangsleistung. Während
cw-Faser- oder Scheibenlaser heute Kilowatt und mehr mittlerer Leistung bei beugungsbegrenzter Strahlqualität
erreichen, liegt die Ausgangsleistung von fs-Lasern typischerweise im Bereich einzelner Watt. Fünfzig Watt zählen
bei kommerziellen Lasern schon zum High-End-Bereich. Aufgrund ihrer komplexen Bauweise liegt der Preis solcher
Systeme im Bereich einiger hunderttausend Euro. Hoher Preis und leistungsbegrenzte Prozessgeschwindigkeit
schränken derzeit das Einsatzpotential von fs-Lasern ein. Breite Anwendung haben fs-Laser in der Produktion
bisher nicht gefunden.

Auf der LASER World of Photonics 2009 stellt das Fraunhofer ILT erstmals das derzeit leistungsstärkste Ultrakurz-
pulslaser-Modul aus. Dieses wurde zum Teil im Verbundprojekt LASERTRON (FKZ 13N8720) mit BMBF Förder-
mitteln aus dem FEMTONIK Programm entwickelt. Mit einer mittleren Leistung von über 400 Watt hält es den Welt-
rekord hinsichtlich mittlerer Leistung eines Lasers mit Pulsdauern kleiner einer Pikosekunde.

Dies wurde möglich durch Neuinterpretation der sogenannten InnoSlab-Technologie, die seit über 10 Jahren am
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT) entwickelt wird. Diese Technologie bildet schon die Grundlage für zahl-
reiche Nano- und Pikosekunden-Lasersysteme im industriellen Einsatz. Der extrem einfache Aufbau des Single-
Pass Verstärkers mit vier Spiegeln und einem Laserkristall ermöglicht einen opto-mechanisch und thermisch
außergewöhnlich robusten und kompakten Aufbau.

Darüber hinaus ist eine Reduktion und Anpassung der auftretenden Intensitäten konzeptinhärent und bietet so
die Möglichkeit, Pulsenergien unterhalb einem Millijoule – wie sie insbesondere für die Mikromaterialbearbeitung
relevant sind - ohne komplexe „Chirped Pulse Amplificati-on (CPA)“ zu erreichen. Dies ist ein weiterer Durchbruch
für die Vereinfachung von fs-Lasersystemen und der damit verbundenen Kosten – eine wesentliche Vorraussetzung
für den großflächigen Einsatz im industriellen Umfeld.

Der innovative Laser des Fraunhofer ILT ist dadurch gekennzeichnet, dass Oszillatoren mit 1-2 Watt Ausgangs-
leistung mit einer einzigen Verstärkerstufe auf bis zu 400 Watt Leistung verstärkt werden können. Bei voller
Leistung wird eine Strahlqualität M2<1.4 und eine optische Effizienz von 50% erreicht. Die annähernd beugungs-
begrenzte Strahlqualität ermöglicht die Transformation in einen runden Strahl über den gesamten Propagations-
bereich, wie er häufig für Anwendungen gefordert ist.

Weitere Highlights sind Pulsdauern unter 700 fs und spektrale Bandbreiten unter 2 nm. Einerseits sind die Pulse
damit deutlich kürzer als bei heutigen ps-Lasern und ermöglichen bessere Ergebnisse zum Beispiel in der Mikro-
materialbearbeitung. Andererseits erlauben Bandbreite und Wellenlänge noch uneingeschränkt die Verwendung
der gleichen Optiken wie bei typischen ps- und ns-Lasern. Spezielle Aufbauten zur zeitlichen Komprimierung
(Kompressoren), wie bei Ultrakurzpulslasern häufig notwendig, sind überflüssig. Damit entfallen sämtliche Prob-
leme, wie z.B. Pulsfront-/Phasenfront-Neigung, die durch diese Aufbauten hervorgerufen werden können.

Aufgrund des bandbreitebegrenzten Spektrums und der hohen Pulsspitzenleistung eignet sich die Laserstrahlung
sehr gut für nichtlineare Frequenzkonversion. Frequenzverdoppelung, Kompression der Pulsdauer oder Erzeugung
hoher Harmonische sind laufende Arbeiten. Erhöhung der Pulsenergie in den Multi 10 mJ Bereich bei mehreren
100 Watt mittlerer Leistung durch zusätzliche CPA-Technik ermöglicht in Zukunft auch den Einsatz im wissen-
schaftlichen Bereich.

Die praktischen Grenzen des Ultrakurzpulslasers sind nach allen theoretischen und experimentellen Erkenntnissen
derzeit noch nicht erreicht. Daher befasst sich das Fraunhofer ILT bereits mit der Skalierung des innovativen fs-Lasers
zu Leistungen größer 1000 Watt. Die Ergebnisse der neuen Technologie werden einem breiten Fachpublikum auf der
LASER 2009 in München in Halle C2, Stand 350 vorgestellt.




400 W Femtosekundenlaser des Fraunhofer ILT zur ultrapräzisen
Materialbearbeitung
Bildquelle: Fraunhofer ILT, Aachen



Kontakt:
Dr. Torsten Mans
Projektleiter 400 W fs Laser
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT
Steinbachstraße 15
52074 Aachen
Tel.: 0241 8906-379
E-Mail: torsten.mans@ilt.fraunhofer.de
www.ilt.fraunhofer.de

[zurück]
 

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen