In der kleinen Werkstatt wird jeder zum Produzenten – etwa mit Lasertechnik aus dem Hause der Franz Hagemann
GmbH.
Sie brauchen ein Kabelwickel, damit sich die Kopfhörer Ihres iPod MP3-Players nicht immer verheddern? Eine Ab-
lage für Ihr Handy oder neue Turnschuhe? Dann drucken Sie diese Produkte doch einfach aus. Das klingt wie eine
unglaubliche Zukunftsvision, soll aber schon bald Realität werden. Und zwar in sogenannten Fab Labs – öffentlichen
Werkstätten, in denen jeder an PC-gesteuerten Werkzeugmaschinen arbeiten kann. Der Lehrstuhl Medieninformatik
unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Borchers eröffnete am 7. Dezember 2009 an der Rheinisch-Westfälischen Tech-
nischen Hochschule (RWTH) Aachen das erste Fab Lab Deutschlands. Ob angehende Maschinenbauer oder Hobby-
Designer, Privatpersonen oder Un-ternehmen – alle haben die Möglichkeit, mit den Hightech-Geräten eine Produkt-
idee oder eine technische Entwicklung direkt in einen Prototypen umzusetzen.
Fab Lab ist die Abkürzung für Fabrication Laboratory. Entwickelt wurde die Idee am Massachusetts Institute of Tech-
nology in Boston in den USA, wo im Jahr 2002 das erste Labor eröffnete. Heute gibt es über 35 Werkstätten dieser
Art weltweit, die alle die sogenannte Fab Lab-Charta unterzeichnet haben. In dieser verpflichten sie sich, ihre Einrich-
tung der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Labore sind unterschiedlich ausgestattet, doch es gibt eine Stan-
dardausrüstung, die auch in Aachen vorhanden ist. So können die Besucher des Fab Labs aus dem Internet geladene
Gegenstände nicht nur auf Papier, sondern als reale Objekte ausdrucken. Ein 3D-Drucker erzeugt aus einem Compu-
termodell einen echten Gegenstand aus Kunststoff, ein CO2-Laser der Marke cameo schneidet mit höchster Präzi-
sion beliebige Materialien wie Holz oder Kunststoff und beschriftet diese auch. Michael Ebel, Vertriebsleiter von
cameo-Lasersystemen bei der Firma Franz Hagemann am Standort West, freute sich über den Start der etwas an-
deren Werkstatt: »Sie eröffnet interessierten Gruppen den Zugang zu hochmoderner Technik und Produktionswissen.
Im Fab Lab können wir zeigen: Unsere Laser sind ganz einfach von jedermann zu bedienen und eignen sich auch für
den Hausgebrauch.«
Eine Platinenfräse und weitere Geräte sind ebenfalls vorhanden. An den Hightech-Werkzeugmaschinen entstehen
unter Anleitung von Institutsmitarbeitern der RWTH bereits erste Produkte. Die Ideengeber müssen lediglich die Ma-
terialkosten tragen.
Der Medieninformatiker Jan Borchers sieht in dem Labor den Beginn einer Revolution im Produktionsbereich: »Der-
zeit sind die verwendeten Geräte noch sehr teuer. Mit sinkenden Preisen werden sie aber für den Endverbraucher
attraktiv. Ich gehe davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren 3D-Drucker und Lasercutter in so manchem Haushalt
stehen werden.« In den Niederlanden gibt es bereits vier Fab Labs – ebenso viele sind in Planung. Und auch bei
uns sind weitere der innovativen Werkstätten geplant.